Wolfgang Schäuble in Mainz
Gestern war ein etwas anderer Tag in Rhein-Main. Nachdem mich kurz vorher die Nachricht erreichte, dass der deutsche Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble bei einem Treffen der CDU Rheinland-Pfalz in Mainz-Weisenau zu Gast sei und es zu einer Spontandemo kommen werde, streikte zusätzlich noch ESWE. Damit war in Wiesbaden der größte Teil des Busverkehrs lahmgelegt.
Nun gut, mit einem Zug schaffte ich es in die Wiesbadener Innenstadt und von dort nach Mainz und schließlich weiter nach Mainz-Weisenau. Etwas umständlich, aber es funktionierte. An der Bushaltestelle war recht schnell klar, dass ich richtig war, als ich die Polizeiwagen und mir bekannte Leute traf. Aufgerufen zu der Aktion hatte der AK Vorrat, Unterstützer waren etwa die Piratenpartei, der Chaos Computer Club Mainz, sowie andere Gruppen. Das Polizeiaufgebot war vergleichsweise gering, was dieses beeindruckende Foto wohl belegen sollte:

Unser Ziel war es die CDU Anhänger zu informieren und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, was mehr schlecht als recht gelang. Die Intoleranz und Aggressivität mit der wir behandelt wurden, hatte ich mir so drastisch nicht vorgestellt. Zitate:
Ihr habt doch einen Knall! So ein Quatsch! Was eine Scheiße!
Am "schönsten" war ein Herr von der CDU, welcher laut verkündete, dass er kein Problem damit habe, wenn ganz Deutschland den Gesprächen seiner Frau und ihm zu Hause zuhöre, denn er habe rein GAR NICHTS zu verbergen. Ich lasse das hier kommentarlos so stehen.
Ein kleiner Eindruck dessen, mit dem wir dort aufgetreten sind:



Der "Höhepunkt" war schließlich die Rede des Innenministers. Diese 90 Minuten wirkten reichlich skurril. So fiel das Wort "Sicherheit" oder "Terrorismus" kaum, dafür das Wort "Freiheit" reihenweise. Als Herr Schäuble immer lauter anfing zu schreien und irgendwann sogar noch argumentierte, dass es in seinem Interesse sei die "informationelle Selbstbestimmung" des Bürgers zu schützen, konnten wir uns ein lautes Lachen alle nicht verkneifen, woraufhin er quer durch den Saal in unsere Richtung fragte, was es da zu lachen gebe.
Die ganze Propaganda ging noch einige Zeit. Mein persönlicher Favorit war die Argumentation zum Thema Digitalisierung der Welt. So führt die Anonymität im Internet dazu, dass die Menschen keine Scham mehr kennen und unsere Gesellschaft in immer weiteren Teilen verdirbt. Menschen die nur in einer "virtuellen Welt" leben verlernen es sich in der "realen Welt" zurechtzufinden und bauen soziale Kompetenzen ab.


