All Eyes On You
Vorgestern besuchte ich mit einem Freund die Ausstellung "ALL EYES ON YOU!" im Alten Weinlager im Zollhafen Mainz. Es hat einige Nerven gekostet sich bei dem Verkehr als Nicht-Mainzer zurechtzufinden, aber letztlich kamen wir pünktlich an.
Ein altes Industriegebäude als Ort der Ausstellung zu wählen war sicherlich gewagt, wenngleich es dem Ganzen die richtige Atmosphäre gab. Am 10. Juni fand der Filmabend statt; gezeigt wurden die Filme "Citizen Cam" und "Faceless". Erstere Dokumentation konnte anscheinend alle überzeugen und zeigte beeindruckend den Verlust jeglicher Privatsphäre und einen Staat (Island), in dem jeder jeden überwachen kann, indem alle Überwachungskameras frei abrufbar sind. Damit ich hier nicht zu viel verrate: Opfert die 25 Minuten und versucht Euch das irgendwo anzusehen!
Der zweite Film war meines Erachtens nach sehr lahm und viel zu sehr in die Länge gezogen. Die Aussagen hätte man kürzer und somit wesentlich prägnanter präsentieren können. Anschließend an die beiden Filme folgte eine Diskussionsrunde, die sich schnell in zwei Lager aufteilte. Genau genommen bestand das Lager, welches Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Internetzensur und Vergleichbares zu verteidigen versuchte aus einigen Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit der Jungen Union angehörten.
Die Argumentation war exakt die gleiche, welche man in den Medien zu hören bekam und sie waren von sich überzeugt. Jedes Argument, welches auf keinerlei Fakten aufzubauen schien, jedoch auf allerlei Emotionen, habe ich direkt widerlegt durch Statistiken und Studien zu dieser Thematik. Letztlich sind alle Personen dieser Gruppe kommentarlos aufgestanden und gegangen.
Wer die Chance dazu hat: Die Ausstellung geht noch bis zum 20. Juni. Es ist sehr minimalistisch gehalten, also sucht das Gespräch und die Diskussion mit anderen Personen! (all-eyes-on-you.de)
Europawahl 2009
Am gestrigen Sonntag fand die Wahl zum europäischen Parlament statt. An dieser Stelle möchte ich nicht, wie die meisten Medien, über die geringe Wahlbeteiligung oder andere "Schreckensnachrichten" berichten, sondern stolz auf den Fortschritt der Piratenpartei verweisen.

Mit 229.117 erhaltenen Stimmen erreichte die Partei das Ziel und knackte die 0.5 Prozent Grenze deutlich. In Schweden schaffte die Piratenpartei den angestrebten Sprung in das Parlament. Der stetige Wachstum zieht sich somit weiter fort und lässt hoffen, dass mehr und mehr Menschen die Symbolpolitik der etablierten Parteien erkennen und ablehnen.
Verfolgen konnte man die ersten Ergebnisse gestern auf twitter.com/Piratenpartei sowie auf der Seite bundeswahlleiter.de.
Erschreckend war für mich allein die Menge an Falschmeldungen, die von der deutschen Nachrichtenagentur dpa ausgingen und von verschiedenen Zeitungen blind übernommen wurden. So wird die Piratenpartei schlicht mit der Webseite The Pirate Bay gleichgesetzt. Es ist durchaus ein ideologischer Zusammenhang zu erkennen, aber eine Gleichsetzung beider Faktoren ist nicht nur vereinfacht, sondern falsch.
Post scriptum: Auf geht's zur Bundestagswahl!


